The Lost Cause, Cory Doctorow, Tor, New York 2023.

Warum greift man zu einem Roman über Klimakrise und politisches Beben, wenn die Gegenwart schon laut genug ist? In diesem Fall, weil Doctorow eine ungewöhnliche Frage stellt. The Lost Cause spielt in den 2030er Jahren, nachdem eine Reihe progressiver Präsidentschaften einen Green New Deal und eine Jobgarantie durchgesetzt hat. Der Roman handelt also nicht vom Kampf um die Wende, sondern von dem, was danach kommt: vom Rückschlag einer alternden Rechten gegen eine Politik, die bereits gewonnen hat. Erzählt wird das von Brooks Palazzo, neunzehn, aus Burbank. Seine Eltern waren Umweltaktivisten und starben, als er neun war; aufgewachsen ist er bei seinem Großvater, einem unbelehrbaren Maga. „This Green New Deal? This Jobs Guarantee? These fuckin’ solar panels? Bill’s gonna come due on this“, schimpft Gramps und schiebt die übliche China-Legende hinterher. Als er stirbt, erbt Brooks sein Haus – und macht daraus Wohnraum für Klimaflüchtlinge. Das Vermögen dessen, der das Problem bestritten hat, finanziert die Reparatur.

Die Geflüchteten kommen mit dem Tehachapi-Treck. Brooks begegnet dreien von ihnen auf der Straße und platzt heraus: „Are you guys the refugees?“ Ana Lucía, Mitte zwanzig, korrigiert ihn freundlich: „We’re refugees. I don’t know if we’re the refugees.“ In einem Satz erledigt der Roman, wofür politische Prosa sonst Absätze braucht. Der Plot besteht danach weitgehend aus Verfahren, und das funktioniert: Der Federal Internal Displaced Persons Act setzt Belegungsgrenzen außer Kraft, wenn man Geflüchtete privat unterbringt, es gibt FEMA-Gutscheine, der Brandschutz muss zustimmen – und die Gegenseite reicht einstweilige Verfügungen ein, verschleppt Hilfslieferungen und zerstört Wohnprojekte, ausgerüstet mit verrosteten AR-15. Dazu die Flotilla, eine Offshore-Ansammlung von Blockchain-Leuten, die vor Long Beach auftaucht und Besucher empfängt. Dass Doctorow nebenbei eine Institution erfindet, die man sofort haben möchte, fällt fast nicht auf: die Blue Helmets, eine Art Klimadienstjahr. Brooks hat einen vorläufigen Platz in San Juan Capistrano, wo die untere Hälfte der Stadt landeinwärts neu gebaut wird; Phuong Petrakis, seine frühere Mitschülerin, hat ihres in London am Thames Estuary Barrier abgeleistet. Mit ihr isst er äthiopisch, und die Stelle über Injera, in die man Injera einrollt, gehört zum Schönsten im Buch: „recursively delicious“.

Das ist Doctorows Verfahren: Er verwandelt Systemfragen in erzählte Erfahrung und zeigt, wie politischer Wille sich in Strukturen übersetzt – Nachbarschaftsräte, Genossenschaften, Sorgearbeit. Der Ton ist hell, fast ein Hangout-Roman: lange, beiläufige Gespräche, in denen sich Werte sortieren. Das Weltbauen ist akribisch und bleibt warm, weil es aus dem Alltag kommt. Und doch hat das Buch ein Problem, und es ist kein kleines. Manchmal kippt der Eifer ins Didaktische, manchen Figuren fehlt die Ambivalenz, und mehr als einmal hält jemand eine Rede darüber, warum gewaltsamer Widerstand der falsche Weg wäre. Die Ancillary Review of Books nennt das „thudding, leaden didacticism“ – so weit würde ich nicht gehen, aber es gibt Kapitel, in denen man den Autor deutlicher hört als seine Figuren. Ein Roman, der zeigen will, dass Zukunft aus Verhandlung entsteht, sollte auch seinen Lesern etwas zu verhandeln lassen.

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