Good Reads: Black Futures
Black Futures, herausgegeben von Kimberly Drew und Jenna Wortham
One World, New York 2020; Gebunden, 544 Seiten, 35,00 EUR
Nach einem Kinobesuch zu einem durchaus reizvollen, popkulturellen Klassiker des Afrofuturismus – Marvels Black Panther: Wakanda Forever – stellte sich das Bedürfnis ein, einen neuerlichen Ausflug in die literarische Welt dieses Diskurses zu unternehmen. Auf der Suche nach einer solchen Erweiterung stieß ich auf Black Futures, einen hervorragenden Sammelband, herausgegeben von Kimberly Drew und Jenna Wortham.
Black Futures bricht mit den Grenzen klassischer Formate und präsentiert ein Archiv Schwarzer Gegenwartskultur, das ebenso Literatur, Kunstbuch und digitales Scrapbook ist. Die Herausgeberinnen versammeln Stimmen, Bilder und Praktiken, die zeigen, was es heißt, jetzt und in dieser Gegenwart Schwarz zu sein – und darüber hinaus eine Zukunft zu denken.
Das Material ist nicht linear geordnet, sondern thematisch gegliedert. Kapitel wie Power, Joy, Memory oder Legacy führen durch Essays, Fotografien, Tweets, Rezepte und künstlerische Arbeiten. Gerade diese Heterogenität erzeugt ein lebendiges Bild: Widerstand und Humor stehen neben queeren Cluberfahrungen, Aktivismus neben Intimität. Black Futures will nicht abgeschlossen sein, sondern ein offenes Gefüge bilden, in das Leser:innen jederzeit einsteigen können.
Die Kritik feierte dieses Experiment. Kirkus bezeichnete es als „must-own compendium“, die New York Times sah darin ein Werk, das nicht nur dokumentiert, sondern aktiv zur Beteiligung aufruft. Hyperallergic lobte die radikale Vorstellungskraft, die in der Verbindung von digitaler Alltagskultur und künstlerischer Reflexion liegt. Und die Chicago Review of Books verglich das Lesen mit dem Besuch einer Party, bei der man zugleich Vertrautes trifft und Neues entdeckt.
Wer in diesem Buch blättert, entdeckt kein fertiges Narrativ, sondern Fragmente, Portale, Stimmen. Gerade dadurch gelingt Black Futures etwas Besonderes: Es dokumentiert nicht einfach Schwarze Kultur der Gegenwart, sondern macht sie erfahrbar – als Prozess, als Diskurs, als Zukunft in Entstehung. Es ist ein Werk für alle, die Literatur nicht nur als Text, sondern als lebendige Praxis verstehen.
Good Reads: Black Futures