Good Reads: Monk & Robot

A Psalm for the Wild-Built & A Prayer for the Crown-Shy, Becky Chambers, STEMCOOL, 12. Juli 2022 (Hardcover-Set); 304 Seiten gesamt

Es ist die sanfteste Revolution der Science-Fiction: Becky Chambers schickt eine Teemönchin und einen neugierigen Roboter auf die Straße – und aus dieser unscheinbaren Pilgerreise wird eine Erkundung dessen, was Menschen brauchen, um weiterzumachen. Ein Manifest gegen Zynismus, für Sinnsuche, Respekt und Gemeinschaft.

Die Prämisse könnte aus einer Star Trek-Episode stammen: In einer postindustriellen, ökologisch versöhnten Welt begegnen Menschen erstmals seit Jahrhunderten wieder ihren abgezogenen Maschinenwesen. Doch statt Prime-Directive-Drama gibt es Tee, Gespräche und Wanderungen – „low stakes“ im besten Sinn. Chambers verhandelt Ethik und Ökologie so ruhig, dass man sich in den Dialogen verlieren möchte.

Dex, die Mönchin, und Mosscap, der Roboter, tragen die Geschichte fast allein. Sie sind Archetypen und zugleich zutiefst eigenwillig: neugierig, verletzlich, manchmal komisch. In ihren Fragen steckt der Kern jeder guten Utopie – nicht „Wie verhindern wir den Untergang?“, sondern „Wie leben wir gut, nachdem wir überlebt haben?“.

Sprachlich ist das Buch ein langer, milder Atemzug. Chambers schreibt mit der Klarheit einer Meditation, manchmal humorvoll, nie belehrend. Es ist ein Buch, das zum Innehalten einlädt und lange nachhallt.

Gerade hier liegen die Parallelen zu Star Trek: moralische Dilemmata statt Schlachten, Begegnung mit dem Anderen, Diversität und Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. Und doch geht Chambers weiter: Wo Star Trek oft von technologischem Optimismus lebt oder Konflikte heroisch löst, zeigt Panga eine Welt, in der Machtstrukturen bereits transformiert sind – keine Sternenflotte, keine Föderationsbürokratie, sondern dezentrale, egalitäre Netzwerke, radikaler, progressiver und frei von kolonialen Untertönen.

Die Duologie ist ein Paradebeispiel des Hopepunk. Sie beweist, dass Zukunftsvisionen nicht aus Glanz und Laserstrahlen bestehen müssen, sondern aus Zuhören, Aushandeln und kleinen Gesten. Wer eine Auszeit von Dystopien braucht – oder eine zeitgemäße Fortsetzung der trekkigen Utopie sucht –, wird hier sanft, aber nachhaltig verändert.

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