Good Reads: The Heaven & Earth Grocery Store

The Heaven & Earth Grocery Store, James McBride, Riverhead Books, New York 2023; 400 Seiten, 18,65 €

Als ein wunderbares Buch über afroamerikanisch-jüdische Geschichte wurde mir The Heaven & Earth Grocery Store versprochen, und dieses Versprechen hat James McBride gehalten. Ein Brunnen, ein Skelett, eine Kleinstadt – so beginnt die Geschichte, mit einem Bild, das Schuld und Erinnerung wachruft.

Die Handlung führt zurück ins Jahr 1936 nach Chicken Hill, Pottstown. Hier leben jüdische Einwanderer und afroamerikanische Familien dicht beieinander, verbunden durch Armut, Nachbarschaft und eine ständige Nähe von Solidarität und Misstrauen. In diesem Spannungsfeld steht Chona, von Polio gezeichnet, die gemeinsam mit ihrem Mann Moshe einen kleinen Lebensmittelladen betreibt – Herz und Sammelpunkt des Viertels.

Als die beiden einen gehörlosen afroamerikanischen Jungen vor den Behörden verstecken, kippt die fragile Ordnung. Aus einer Geste der Fürsorge wird ein Prüfstein, der Ressentiments und alte Feindbilder freilegt. McBride zeigt, wie Rassismus und Antisemitismus ineinandergreifen, ohne die Menschlichkeit seiner Figuren aus den Augen zu verlieren.

So entfaltet sich der Roman als Chronik einer Nachbarschaft und als Parabel über Zugehörigkeit. Die Stimmen sind vielstimmig, widersprüchlich, lebendig – und gerade darin überzeugend. Der Brunnen bleibt als Metapher im Hintergrund: Die Vergangenheit ist nie verschüttet, sie sickert ins Heute und erzählt weiter.

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